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Badische Bauern Zeitung vom Samstag, 20. Dezember 2003

Eier, Nudeln, Obst und die alte Zeit
 

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Im Museum von Manfred Zeisset können die Besucher beispielsweise alte landwirtschaftliche Geräte, aber auch eine Schnapsbrennerei oder alte Trachten bewundern. (Foto: Fuchs)

 Von Ursula Fuchs

Manfred Zeisset ist bekannt in seinem Heimatdorf Weisweil --bekannt als leidenschaftlicher Sammler alter Gebrauchsgegenstände. Nachdem seine Tochter vor zwei Jahren in seinen ehemaligen Legehennenbetrieb mit Direktvermarktung eingestiegen ist, hat er sich seinen Traum erfüllt: ein eigenes Museum.

Schon seit vielen Jahren ist das Sammeln alter Dinge Manfred Zeissets große Leidenschaft -- obwohl ihm sein Legehennenbetrieb mit 4000 Hennen dafür nur wenig Zeit gelassen hat. Anfangs hat er einzelne, besonders schöne Stücke im Büro ausgestellt. Zum Leidwesen seiner Frau, die heute noch im Rückblick seufzt: "Das war ein Wahnsinn, das alles abzustauben."

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Jutta Zeisset bietet in ihrem Hofladen nicht nur Selbsterzeugtes und Regionales an. Sie möchte, dass die Kunden ein möglichst vollständiges Angebot vorfinden, damit sie nicht noch anderswo einkaufen gehen müssen. (Foto: Fuchs)

  Doch das Büro reichte schon bald nicht mehr aus. So wurde vieles in Kartons verpackt und auf dem Speicher aufbewahrt. Gleichzeitig vergrößerte sich die Sammlung von Jahr zu Jahr, denn alle Bekannten und Verwandten wussten ja von Manfred Zeissets Leidenschaft. Sie brachten alles Ausrangierte zu

Schätze vom Sperrmüll

ihm, sei's vom Sperrmüll oder aus dem Altenheim.
Seinen Traum vom eigenen Museum, wo er all die gesammelten Schätze präsentieren kann, hat sich der frühere Legehennenhalter erst im Ruhestand erfüllt: Seit dem Sommer 2001 gibt es "Manfreds Haus- und Hofmuseum". Der frühere Hühnerstall ist heute zu einem liebevoll ausgestalteten, zirka 300 Quadratmeter großen Ausstellungsraum umfunktioniert. "Anfangs meinten wir, wir haben riesig viel Platz, aber der war schnell belegt. Beim Auseinanderräumen und Aufbauen haben wir erst festgestellt, wie viel das eigentlich schon war", erinnern sich die Zeissets.
Und in der Tat: die Sammlung ist nicht nur umfangreich, sondern in gleichem Maße sehenswert. Ausgestellt werden die ganz einfachen Sachen des Alltags. Alles aus den letzten zwei Jahrhunderten. Da ist neben Küchengeschirr, Werkzeug und anderen landwirtschaftlichen Geräten auch eine Hanfpresse zu bestaunen, daneben Lehrbücher, die zum Beispiel über die zweckmäßige Ernährung des Rindviehs informieren. Und in einer Ecke ist sogar ein Hebammenkoffer zu finden, ein paar Meter weiter ein Akkordeon oder Elvis-Presley-Schallplatten. Ganz bewusst hat Manfred Zeisset sein Museum nicht als "normales" Heimat- oder Landwirtschaftsmuseum konzipiert.
Und auch Geld verdienen will er mit seinem Museum bestenfalls zur Unkostendeckung, im Vordergrund steht eindeutig die Freude an der Sammlerei und der Spaß am Zeigen. "Wenn man's zusammenrechnet, haben wir nicht viel investiert in unser Museum -- außer vielen Ideen, Kraft und natürlich Zeit", sagt Doris Zeisset, Manfreds Frau.
Inzwischen hat es sich in der Region herumgesprochen, dass es dieses etwas sonderbare Museum in Weisweil gibt. In den Landfrauenvereinen wurden Prospekte verteilt und die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert gut. Mittlerweile kommen Familien, Einzelpersonen und Gruppen, um das Museum zu besichtigen. Die Gäste werden mit einem Glas Winzersekt und einem Stück Hefezopf aus dem eigenen Hofladen empfangen.
"Der Eintritt kostet nur einen Euro, aber wenn die Leute danach noch in den Hofladen gehen, dann bleibt auch bei uns schon was liegen", sagt Jutta Zeisset, die jüngste Tochter. Sie ist seit September 2001 in den Betrieb eingestiegen, als ihre Eltern aus Altersgründen den Hof aufgeben wollten. Nicht zuletzt mit Blick auf treue Stammkundschaft, die Manfred und Doris Zeisset in all den Jahren der Direktvermarktung mit Eiern, Nudeln, Gemüse, Obst und Geflügel aufgebaut hatten.
Heute betreut Jutta Zeisset mit ihren Eltern zirka 600 Kunden. Rund 100 davon kommen regelmäßig in den Hofladen, die anderen 500 sind in der Region verteilt, über Freiburg hinaus bis Eschbach im Süden. Zweimal in der Woche wird die Ware ausgefahren, in vierzehn Tagen sind alle 500 Kunden durch. Jutta und ihre Eltern wissen genau, welche Waren sie auf die Tour mitnehmen müssen. "Das bekommt man mit der Zeit heraus, und ich bekomm das praktisch auch schon von Kindesbeinen an mit" erzählt Jutta Zeisset. Wenn immer möglich fahren die Zeissets zu zweit, denn dann hat man mehr Zeit für den einzelnen Kunden. "Der Kunde darf nie merken, dass man eigentlich schon wieder weg sein sollte."
"Unser Laden ist ein Hofladen mit bäuerlichem Charakter." Trotzdem kann man hier auch Orangen und andere Südfrüchte kaufen. Denn der Kunde soll ein

Selbstgebackenes Steinofenbrot

möglichst vollständiges Angebot vorfinden, damit er nicht noch anderswo einkaufen muss. Doch die eigentlichen Verkaufs-Hits sind immer noch die selbsterzeugten Waren, zum Beispiel das selbstgebackene Steinofenbrot nach eigenem Rezept. Und auch die Hähnchen, von denen drei- bis viermal im Jahr jeweils 200 gemästet werden, sind schon verkauft oder vorbestellt, bevor sie überhaupt eingestallt sind.
Doch nicht nur für Erwachsene ist der Einkauf oder der Museumsbesuch bei Zeissets ein Erlebnis. Vor allem Kinder kommen von Zeissets meist mit glänzenden Augen und voll von spannenden Abenteuern heim. Denn wo kann man schon Ziegen, Gänse, Schafe und Pferde hautnah erleben und dazu noch erfahren, mit welchen Puppenhäusern die Großeltern gespielt haben oder was für ein Waffeleisen die Uroma benutzt hat.

 

 

Breisgau Kurier 26.09.2002

Handel und Gewerbe in Weisweil